Kritik zu "Der Widerspenstigen Zähmung"
aus: Märkische Allgemeine Zeitung , 7.6.1999Ein widerspenstiges Stück mit Bravour gezähmtStanding ovations für das Theaterensemble des Weinbergymnasiums für Shakespeare - Interpretation Kleinmachnow. Davon können Profi - Bühnen nur träumen: fast ein halbe Stunde stehenden Beifalls nach der Premiere, ausverkaufte Vorstellungen, ein von Temperament und Spiel - Lust der Darsteller angestecktes Publikum. Und das bei Shakespeare. Der Theatergruppe des Weinberg - Gymnasiums ist mit der diesjährigen Einstudierung "Der Widerspenstigen Zähmung" ein äußerst vergnüglicher Theaterabend zu danken.
Ein Jahr lang wurde das widerspenstige Stück gezähmt. Zunächst wollten die Schüler nicht ran, langweilige Längen und lange Unverständlichkeiten, meinten sie. Mit der ersten Probe aber hatte ihre Deutschlehrerin Kathrin Heilmann ihre Schauspieler für Shakespeare gewonnen.
Ihre eigene Bearbeitung legte zwar die Übersetzung von Schlegel - Tieck zugrunde. Zeit und Ort des Geschehens bleiben bewahrt, Charme und Wortwitz der Originalfassung erhalten. Shakespeare wurde als Rohmaterial respektiert, das Abwandlungen zuläßt und braucht, ganz im Sinne des Dichters. Auch wenn in der Schüler - Aufführung belanglose Nebenrollen weggelassen, Dialog - Überlängen gekürzt, die Rahmenhandlung reizvoll variiert, das Ganze mit bezaubernden Musical - Tänzen und witzigen Liedern angereichert wurde, blieb mehr von Shakespeare erhalten als in mancher gewaltsam gegen den Strich gebürsteten Inszenierung großer Theater.
Kathrin Heilmann stand in diesem Jahr vor einer besonders schwierigen Aufgabe: Angesichts des großen Zulaufs zur Theatergruppe mußte sie ein Stück finden mit großer Personage, andererseits standen ihr geübte Darsteller nicht mehr zur Verfügung, die unterdessen ihr Abitur gemacht und weggezogen waren. Und schließlich werden im Unterricht die Anforderungen für das Abi nicht geringer. Wer in der Theatergruppe mitspielt, opfert Freizeit und muß sich anstrengen; wer seinen Text nicht lernt, fliegt raus. "Null - Bock - Typen" sind nicht gefragt. Dass Theaterspiel dieser Qualität einen hohen erzieherischen Wert besitzt, sei nur am Rande vermerkt: Gedächtnis, Disziplin, Ausdauer, Phantasie, Anpassungsvermögen werden entwickelt, bewußte Bewegungen geschult. So hart die Anforderungen sind, die die zierliche Pädagogin an ihr Ensemble stellt, so ist im Ergebnis die Begeisterungsfähigkeit der Schüler zu bestaunen. Sie haben, allen voran Martin Kliem am Piano und die Mitglieder der "Young - Brass - Company", die Liedtexte und Tänze mit entworfen, sind sie doch alle durch die Kreismusikschule "Engelbert Humperdinck" geschult. Sie haben sich - wie Patric Adam als Petrucchio, Stephanie Wolf als Katharina, Jana Grulich als moderierende Inspizientin und viele andere - so sicher und natürlich auf der Bühne bewegt, als sei dies ihr gewohnter Lebensraum. Deutlich verbessert, aber immer noch überholungsbedürftig die Sprachtechnik und Stimmbildung der Gruppe. Viele uneigennützige Helfer wirkten hinter der Bühne, so Dieter Adam ( Entwurf des Bühnenbildes, das unter Leitung von H.-J. Brauer von Schülern der 11. Klasse gefertigt wurde ); Axel Wagner, der mit seinem Haar - Studio die Frisuren schuf; Christiane Heilmann ( Medizin - Studentin ), der die Kostümentwürfe zu danken sind; den fünf Frauen die mit ihr schneiderten. Alle müßte genannt werden, die Anteil haben an dem überwältigenden Erfolg.
Am heutigen Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag dieser Woche wird es noch einmal im Kulturhaus Kammerspiele aufgeführt. Wer Glück hat, erwischt noch Restkarten.
Barbara Faensen